Hilfe, mein Tier stirbt!

Liebe Tierfreunde

Ein geliebtes Wesen zu verlieren zerreisst einem das Herz. Und wenn du darauf hoffst, dass ich dir einen guten Tipp geben kann, wie dies zu vermeiden ist, dann muss ich dich leider enttäuschen. 

Aber was ich dir gerne mitgeben möchte, ist die Möglichkeit, dich darauf vorzubereiten und dich damit auseinanderzusetzten.

Wenn ich manchmal laut darüber nachdenke, was passiert, wenn meine geliebte Wegbegleiterin stirbt, werde ich oft entsetzt angeschaut: "Wie kannst du denn über sowas nachdenken? Jetzt ist sie doch noch da!?" höre ich dann oder "Du sollst dir nicht solche Gedanken machen, du weisst doch, was man denkt, wird wahr." 

Naja, solche Hinweise kann ich schon verstehen. Aber gehört es nicht auch zum irdischen Leben dazu, dass es irgendwann endet? Und ist es, wenn du ganz ehrlich zu dir selber bist, nicht schon beim Kauf deines geliebten Tieres klar, dass es – wenn alles normal läuft – vor dir sterben wird? Was ist es, dass uns solche Angst macht, darüber auch nur nachzudenken? 


Ist es die Einsamkeit, die wir fürchten? Oder das Nicht-Wissen was wir danach mit uns anfangen sollen?
 

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, wurde mir das Herz schwer wie Blei. Eine Zukunft ohne meine Herzensdame konnte ich mir so gar nicht vorstellen. Allein der Gedanke daran trieb mir die Tränen in die Augen. Aber dann wurde klar, dass ich schon bald werde loslassen müssen. Und es Zeit würde, mir ein paar Dinge zu überlegen:  

  • Was macht mich so traurig an diesem Gedanken? Ist es die Liebe die mir fehlen wird? Die Wärme? Nähe? Oder gibt es noch etwas, dass ich unbedingt mit ihr erleben möchte?
  • Haben wir unsere gemeinsame Zeit genutzt oder unachtsam verstreichen lassen?
  • Welche Lücke wird sie hinterlassen? Und wie könnte ich sie selber füllen?
  • Habe ich wirklich alle (mir bekannten) Möglichkeiten auf Heilung ausgeschöpft oder gibt es noch etwas, dass ich probieren möchte? Und wie geht es ihr damit? Mag sie noch kämpfen oder ist sie am Ende ihrer Kräfte? 
  • Wie merke ich, wann der Zeitpunkt gekommen ist, sie zu erlösen?
  • Wo ist meine Grenze? Ab wann kann ich es verantworten, sie gehen zu lassen? Habe ich überhaupt das Recht dazu?
  • Was passiert mit meiner anderen Hündin, wenn sie stirbt und was passiert mit mir, wenn ich eine solche Entscheidung treffen muss? 
  • Wie kann ich uns alle darauf vorbereiten?
  • Gibt es noch Menschen und Tiere, die gerne Abschied nehmen würden?
  • Wo soll ich sie erlösen? Zu Hause? Beim Arzt? In der Natur? 
  • Worauf muss ich achten? Soll meine andere Hündin dabei sein oder besser nicht? Wo kann ich mir Unterstützung holen? 
  • Wen möchte ich in diesem Moment an meiner Seite wissen?
  • Soll ich ihr Körper zur Kadaverstelle bringen oder doch lieber ins Krematorium? Und wo gibt es solche Stellen? Wie kommen wir dahin?
  • Wie soll ich das alles schaffen? Und wie geht es danach weiter? Was, wenn auch meine andere Hündin stirbt?
Langsam und vorsichtig liess ich immer wieder mal einen Gedanken in diese Richtung zu und schon bald merkte ich, wie viel Zeit es beansprucht, sich klar zu werden. Im Herzen eine Entscheidung zu treffen und zu wissen, den Rest des Lebens damit klarkommen zu müssen.

Vielleicht fällt es dem Einen schwerer sich damit zu befassen, dem Anderen weniger. Versuche dich nicht zu vergleichen. Du bist einzigartig und wir alle gehen anders mit Entscheidungen, Verantwortung, Trauer, Unsicherheit, Kummer und Verzweiflung um.

In Gesprächen mit Freunden, Eltern und Fachleuten holte ich mir Rat, Wissen, Gedanken, Trost und Unterstützung. Und ich war froh, mich damit befasst zu haben. Noch heute, wenn mein Herz mal wieder schwer wird, weiss ich, dass ich alles mit meinem besten Gewissen und Wissen entschieden habe. Und auch wenn ich heute vielleicht noch dies oder das probieren würde… so weiss ich doch, dass ich alle mir zu dieser Zeit verfügbaren Informationen und Möglichkeiten in Betracht gezogen habe. Und dass nun Frieden einkehren darf.

Weil mir bewusst wurde, dass ich Angst davor habe, mich nach dem Tod meiner Fellnasen alleine und unnütz zu fühlen, habe ich angefangen, mir eine Liste zu schreiben:

Was würde ich tun, hätte ich jetzt keinen Hund an meiner Seite?

Bestimmt kennst du diese Momente auch, wo du denkst: "Ach Mensch, hätte ich jetzt keine tierischen Verpflichtungen, würde ich… "

 … ja, was würdest du?

Tanzen? Ans Meer fliegen? Ein Rennrad kaufen und über die Pässe strampeln? Mit dem Stand-up Paddle auf den See hinaus gleiten? Oder jede Woche mindestens einmal ins Kino gehen? Laut Musik hören? Fallschirmspringen? Die Welt bereisen? Im Tennis-Club anmelden? Oder zum Skifahren in die Berge reisen?

Meine Liste wird immer länger und länger und auch wenn ich weiss, dass es den Schmerz über den Verlust nicht lindern kann, so habe ich doch einen Halt für danach und ein Versprechen mir selber gegenüber, weiterzumachen und auch wieder Freude zuzulassen.

Und so wünsche ich dir von Herzen, dass du den Mut findest, dich mit deinen eigenen Gedanken und Ängsten zum Verlust deines Tieres auseinanderzusetzen und klar zu spüren, was du dir wünschst und was ihr beide in diesem Moment braucht.

Und wenn du magst oder Hilfe brauchst, begleite ich dich/euch gerne bei diesem Prozess. Denk daran, du bist damit nicht allein.

Von Herzen eure Sabi